Antoinette Lühmann

Kopf- oder Bauch? Warum du wissen musst, was für ein Schreibtyp du bist

Es gibt unzählige Schreibratgeber. Großartige Autorinnen und Autoren erzählen darin von ihren ersten Schreibversuchen, ihrem Arbeitsalltag, ihren Ritualen. Das ist inspirierend. Ich nehme aus fast jedem dieser Bücher ein paar Gedanken mit, die noch lange nachklingen.

Und trotzdem werde ich immer wieder gefragt: Welchen Schreibratgeber soll ich lesen?

Meine Antwort überrascht manchmal: Kommt drauf an. Wie schreibst du denn?

Wenn der falsche Ratgeber zur Frustration wird

Stell dir vor, du bist ein strukturierter Mensch. Du schreibst ein sechzigseitiges Exposé, bevor du eine einzige Seite deines Romans schreibst. Du liebst Tabellen. Du magst es, wenn alles einen Plan hat.

Dann nimmst du Stephen Kings „Das Leben und das Schreiben“ in die Hand. Und auf jeder Seite ruft es in dir: Ernsthaft? Wo soll das alles hinführen? Das kann man doch nicht verallgemeinern! Wo kommen deine Ideen her? Sag es mir. Jetzt sofort.

Oder umgekehrt: Du bist eine Bauchschreiberin. Du kannst nur schreiben, wenn du selbst überrascht bist – auf jeder einzelnen Seite. Dann bekommst du eine detaillierte Anleitung zum Plotten eines englischen Krimis in die Hand. Und spürst Druck auf der Brust.

Beide Bücher können großartig sein. Und trotzdem können sie dir im falschen Moment mehr schaden als nützen.

Plotter oder Pantser – was bedeutet das überhaupt?

In der Schreibwelt gibt es zwei große Lager. Die einen nennt man Plotter – sie planen, strukturieren, erstellen Exposés, bevor sie anfangen zu schreiben. Die anderen heißen Pantser – sie schreiben „by the seat of their pants“, also aus dem Bauch heraus, ohne zu wissen, was auf der nächsten Seite passiert.

Und dann gibt es natürlich alle Mischformen dazwischen.

Keiner dieser Wege ist falsch. Im Internet findest du Artikel, die einen der beiden Stile zerreißen und behaupten, er würde niemals erfolgreich sein. Die kannst du getrost ignorieren. Denn sie führen zu nichts. Vergleichen ist der Anfang allen Übels. Denk an Schneewittchen.

Was zählt, ist: Welcher Weg ist deiner?

Ein kleines Experiment

Ich mache das gerne so: Stell dir vor, du startest mit einem neuen Projekt. Vielleicht möchtest du über einen Pinguin schreiben, der davon träumt, eine Bergwanderung in Nepal zu machen. Pinguine sind immer eine gute Idee. Du kannst natürlich auch eine ganz andere Idee nehmen – Hauptsache, es gibt eine Figur, ein Problem, einen Konflikt.

Und jetzt schließ kurz die Augen.

Was möchtest du als Erstes tun?

Eine Zeichnung anfertigen und den Pinguin vor Augen haben? Einfach drauflosschreiben, weil dir die ersten Sätze schon im Kopf kreisen? Oder hast du den Impuls, eine Tabelle anzulegen – was weißt du schon über diesen Pinguin und seine großen Träume?

Siehst du? Das ist bereits ein Hinweis.

Was das für deine Schreibratgeber-Wahl bedeutet

Wenn du weißt, in welche Richtung du tendierst, dann ändert sich, wie du Schreibratgeber liest. Du suchst nicht mehr das eine Allheilmittel. Du suchst Inspiration – und dabei liegt ein Hauch von Abenteuer in der Luft.

Mein Tipp: Such dir irgendeinen Schreibratgeber aus und lies. Aber mit dieser Aufgabe von mir: Beobachte dich selbst, wenn du in den Alltag der Autorin hineintauchst. Wie fühlt es sich an? Verlockend? Unangenehm? Hast du Lust, es auszuprobieren?

Du hast ausdrücklich die Erlaubnis, dieses Buch als eine Möglichkeit anzusehen – nicht als die einzige Wahrheit. So können Menschen schreiben. Vielleicht ist es auch deine Lieblingsmethode. Vielleicht aber auch nicht. Dann liest du noch einen Ratgeber. Und noch einen. Irgendwann hast du eine Handvoll Ideen, aus denen du eine Kombination zusammenstellst, die perfekt zu dir passt.

Das ist ein Prozess. Und er ist Teil des Schreibens.

Dein nächster Schritt

Wenn du merkst, dass du noch gar nicht weißt, wie du schreibst – oder dass du dich seit Jahren mit dem falschen Ansatz quälst – dann ist das ein guter Moment, um loszulassen und neu anzufangen.

Genau dafür habe ich Leinen los entwickelt: Einen Kurs, der dich in sieben Tagen ins Schreiben bringt. Nicht mit einer festen Methode, die für alle gilt. Sondern auf einem Weg, der zu dir passt.

Schreib los. Neugierig. Ohne Druck.

10 Gebote des Schreibens

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